Wenn nach einem miesen Tag abends diese Frage kommt "Bin ich eine schlechte Mutter?"
Bestimmt kennst du solche Tage. Die Tage an denen du besonders viel gemeckert und geschimpft hast, an denen du kaum mit den Emotionen und Streitereien deiner Kinder umgehen konntest oder an denen du besonders ungeduldig warst. Dann sitzt du abends auf dem Sofa oder liegst im Bett, die Kinder schlafen friedlich in ihren Bettchen und es kommen diese Gedanken hoch „Das hatte ich mir doch alles anders vorgestellt!“ „Warum bekomme ich das nicht besser hin?“ „Bin ich eine schlechte Mutter?“
Vielleicht hast du dir immer Kinder gewünscht und gedacht, dass es die absolute Erfüllung sein wird, gedacht, dass das deinem Leben endlich einen Sinn gibt. Und jetzt hetzt du den ganzen Tag nur hinterher und denkst am Ende des Tages: Das kann es doch jetzt nicht gewesen sein! Das hast du dir doch alles ganz anders vorgestellt! Du wolltest deinen Kindern eine schöne Kindheit ermöglichen und jetzt sitzt du da und fragst dich, ob du eine schlechte Mutter bist?
Und dann nimmst du dir vor, es am nächsten Tag besser zu machen und schnappst dir vielleicht dein Handy oder einen Ratgeber und suchst nach Tipps, was du tun kannst, was du verändern musst, um endlich die Mama zu sein, die du eigentlich immer sein wolltest. Vielleicht bist du auf diese Art und Weise auch bei meinem Artikel gelandet.
Doch was ich hier definitiv nicht sagen werde, ist: Wenn du diese Dinge tust, dann bist du eine gute Mutter. Ich möchte hier vielmehr ergründen, woher diese Erwartung eigentlich kommt und was du stattdessen tun kannst, um dich von dieser Erwartung zu lösen.
Warum wir uns selbst ständig bewerten
Die meisten von uns heutigen Eltern sind so großgeworden,
dass wir ständig bewertet, gemessen und beurteilt wurden. Wir wurden gelobt,
wenn wir das Zimmer aufgeräumt haben, wurden möglicherweise bestraft, wenn wir aus
Sicht der Erwachsenen Mist gebaut haben und in der Schule haben wir gute bzw.
schlechte Noten für unsere Leistungen erhalten, je nachdem, wie sehr wir uns
angestrengt haben, ins System zu passen. Und auch im Job erhalten wir in der
Regel Anerkennung bzw. Kritik für gute bzw. schlechte Leistungen. Wir haben also
gelernt, wir sind nur etwas wert, wenn wir etwas leisten, wenn wir etwas gut
machen.
Doch in Bezug auf unsere Mutterschaft bleibt uns nur das
direkte Feedback der Kinder und unsere eigene Wahrnehmung und die ist gerade an
den Tagen, an denen wir uns hinterfragen, nicht besonders objektiv. Und das
„Feedback“ der Kinder das auch mal in Form von „Du Scheiß Mama“ oder einem
Wutanfall äußern kann, sagt erstmal nichts über unsere „Qualitäten“ als Mutter
aus.
Bleiben vielleicht noch negative Kommentare von Nachbarin
& Co., wenn die Kinder mal wieder besonders laut sind oder bewundernde
Kommentare von anderen Müttern, wenn die Kinder gerade mal besonders angepasst
sind.
Doch wirkliche Anerkennung bekommen Mütter für das, was die
meisten von ihnen da Tag ein Tag aus leisten, wirklich selten.
Wir haben das Eltern-sein nie gelernt
Während uns eben auf der einen Seite das Feedback und die Anerkennung fehlt, fehlt uns auf der anderen Seite auch das Wissen. Wir sind oft verunsichert, denn das Mama-sein haben wir ja im Grunde genommen nicht gelernt. Wir haben vor der Geburt keine Ausbildung oder kein Studium im „Eltern-sein“ gemacht.
Und daher geben wir alles, wir strengen uns an, wir informieren uns, wir organisieren uns und funktionieren den ganzen Tag. So wie wir es eben gelernt haben, um Anerkennung zu bekommen.
Hohe Erwartungen an Mütter – und warum sie unerfüllbar sind
Denn die Gesellschaft hat unglaublich hohe Anforderungen und Erwartungen an Mütter. Sie sollen immer für ihre Kinder da sein, möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen, geduldig bleiben, immer frisch kochen, den Haushalt im Griff haben, die Kinder im Griff haben, dabei aber auch nicht zu streng mit ihnen sein, sich selbst nicht zu wichtig nehmen…
Und dann kommen noch „modernere“ Anforderungen dazu wie, Mütter sollten berufstätig sein (und das am besten nicht nur in einem „Mutti-Job“), nicht so Helikopter-mäßig sein, immer auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen, ein durchgestyltes und ordentliches Zuhause haben, perfekte Brotdosen kreieren und um dabei entspannt zu bleiben, einfach Me-Time einplanen.
Was du beim Lesen wahrscheinlich selber merkst: Das ist alles gar nicht möglich. Diese Erwartungen sind unfassbar hoch und unerfüllbar.
Und damit sind wir schon beim Kern des Problems: Mütter spüren die hohen Erwartungen von außen, vielleicht von der eigenen Herkunfts-Familie, von den anderen Müttern in der Kita, von der Oma im Supermarkt, durch Influencer:innen auf Social Media, also einfach von der Gesellschaft. Und weil sie ja gelernt haben, dass sie Erwartungen zu erfüllen haben, dass sie ihren Job gut machen sollen, um geliebt zu werden und etwas wert zu sein, tun sie alles dafür, es zu schaffen.
Funktionieren statt fühlen: Der Weg in den Mama-Frust
Mütter funktionieren rund um die Uhr und quetschen sich dann noch die Yoga-Stunde in den übervollen Kalender, weil sie gehört haben, dass sie sich auch mal Zeit für sich nehmen sollen, um gelassener zu bleiben. Doch dass die Entspannung spätestens dann verflogen ist, wenn am nächsten Morgen der Wutanfall des Kindes ansteht, weil der geliebte Paw Patrol Pullover nicht gewaschen ist, merken die meisten dann auch relativ schnell.
Sie lesen Ratgeber und informieren sich über gewaltfreie Kommunikation und bedürfnisorientierte Erziehung, um das fehlende Wissen auszugleichen. Und sich zu informieren und sich nicht ausschließlich auf das eigene Bauchgefühl zu verlassen, ist absolut sinnvoll (denn dieses „Bauchgefühl“ wurde zu 80-90% in der eigenen Kindheit geprägt ist und somit im Zweifel kein besonders guter Ratgeber).
Doch die Ansichten in Bezug auf Erziehung sind so unterschiedlich und individuell, dass wir uns schnell verlieren, wenn wir versuchen, allem zu folgen und direkt wieder ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn wir den nächsten Tipp der Mama-Bloggerin lesen oder den nächsten Impuls der Momfluencerin.
Denn was all diese Hinweise, Ratschläge und Informationen gemeinsam haben ist: sie kommen von außen und berücksichtigen in den seltensten Fällen eure individuelle Situation.
Warum „alles richtig machen“ dich nicht zu der Mutter macht, die du sein willst
Das klingt jetzt vielleicht etwas hart, aber es ist leider so: solange du das alles nur umsetzt, um alles richtig zu machen, um die perfekte Mama zu sein, die die 1 mit Sternchen verdient hat – solange du nur eine gute Mutter sein willst, um die Anforderungen der Gesellschaft zu erfüllen und um dir letztendlich auf die Schulter zu klopfen, weil du alles richtig gemacht hast, solange wirst du es nicht schaffen, die Mutter, die du im Herzen eigentlich wirklich sein möchtest, zu sein.
Denn das ist eher der Ansatz, der irgendwann Richtung Burnout führt, wenn du nicht früh genug die Stopptaste drückst. Und es ist der Ansatz unter dem letztendlich auch deine Kinder leiden. Denn nur weil du vielleicht die meisten Punkte der gesellschaftlichen Checkliste erfüllst, heißt das nicht, dass das auch wirklich gut für deine Kinder ist.
Jetzt fragst du dich vielleicht: Aber was ist denn dann gut für meine Kinder? Und natürlich gibt hierzu viele Informationen, die allgemeingültig sind (siehe mein Punkt zum Thema Ratgeber).
Doch was für euch als Familie gut ist und zu euch passt, das ist die Frage, die nur du selbst bzw. ihr als Familie euch beantworten könnt.
Denn was gut für euch ist, das wisst ihr am besten und niemand von außerhalb.
Raus aus dem Außen – rein in die Verbindung
Und genau da darfst du jetzt ansetzen. Hör auf Dinge für andere zu tun, Dinge, die du nur tust, damit andere gut über dich denken. Damit dein Arbeitgeber denkst, dass du eine gute Mitarbeiterin bist, von der man ja gar nicht denken würde, dass sie auch Mama ist. Damit der spontane Besuch denkt, „Wow, bei euch sieht es aber toll aus. Man sieht ja gar nicht, dass ihr Kinder habt.“ Damit die Oma im Supermarkt denkt, „Ihre Kinder sind aber gut erzogen“. Damit die andere Mama im Kindergarten denkt „Man, die wirkt aber immer so entspannt und geht so toll mit ihren Kindern um.“
Denn solange du Dinge für das Außen tust, bist du nicht in Verbindung mit dir selbst. Und genau diese Verbindung brauchst du, um die Mama bzw. die Frau sein zu können, die du eigentlich sein willst.
Wenn du mit deinen Kindern nach Lehrbuch gewaltfrei kommunizierst, ist das schön und gut. Aber tu es nicht, weil irgendwer sagt, dass du das so tun solltest, sondern tu es für dich und für deine Kinder.
Muttersein als Weg, nicht als Prüfung
Fang an dein Leben so zu gestalten, dass es dir selbst gut tut. Denn nur dann kannst du auch die Mama sein, die du gerne sein möchtest.
Und das ist leichter gesagt als getan. Auch ich bin immer noch auf diesem Weg und dieser Weg führt nicht immer nur vorwärts, sondern manchmal auch wieder ein paar Schritte zurück. Elternschaft kann, wenn du dich darauf einlässt, eine wundervolle Persönlichkeitsentwicklungsreise sein. Eine Reise, die nicht immer einfach ist, manchmal auch weh tut, bei der wir den Weg aber auch genießen dürfen, ohne möglichst schnell ans Ziel kommen zu müssen.
4 Impulse, die dir auf deiner Reise helfen können
Für diese „Reise“ möchte ich dir ein paar Impulse mitgeben, die dir helfen können, dich selbst dabei mitfühlend zu begleiten:
1. Konzentriere dich auf das was gut war.
Statt abends auf dem Sofa zu sitzen und dich zu fragen „Bin ich eine schlechte Mutter“, frage dich lieber „Wofür kann ich mich heute anerkennen?“ oder „Was habe ich heute gut gemacht?“. Das bedeutet nicht, dass du dir den Tag, der vielleicht richtig blöd war, schönreden sollst. Es geht einfach darum, die Aufmerksamkeit auf die Dinge zu lenken, die gut laufen. Meist sehen wir nämlich vor allem die Dinge, die nicht gut geklappt haben, die Situationen, in denen wir versagt haben. Doch wenn du deine Aufmerksamkeit auf die Situationen lenkst, die gut waren, in denen etwas gut geklappt hat, dann erkennst du auch das Positive. Und das dürfen auch erstmal absolute Kleinigkeiten sein,
Denn wenn du deinen Tag regelmäßig auf diese Art reflektierst und es am besten direkt notierst, dann trainierst du dein Gehirn, diese Situationen mehr und mehr zu erkennen. Und dann siehst du immer öfter, dass du gar nicht so eine schlechte Mama bist, sondern vermutlich sogar eine ziemlich gute Mama
2. Sei mitfühlend mit dir selbst.
Statt dich für die Situationen, in denen du gemeckert und geschimpft hast, zu verurteilen, sei mitfühlend mit dir selbst. Du gibst zu jedem Zeitpunkt dein Bestmögliches. Wenn du dich zu einem Zeitpunkt also mal nicht so verhalten hast, wie du es eigentlich wolltest, dann liegt das nur daran, dass es einfach zu viel war oder dass du zu stark im Außen warst. Statt also zu hart zu dir zu sein, überlege, was eine gute Freundin jetzt zu dir sagen würde. Überlege, was zu dem Zeitpunkt vielleicht einfach zu viel war und wie du es beim nächsten Mal reduzieren kannst, um dich zu entlasten und die Mama zu sein, die du sein möchtest.
3. Kümmere dich mehr um dich selbst.
Statt dir vorzunehmen, ab jetzt nicht mehr zu meckern, noch mehr zu geben oder noch mehr auf die Bedürfnisse deiner Kinder einzugehen, nimm dir lieber vor, noch mehr auf deine eigenen Bedürfnisse zu hören. Und das meine ich nicht als zusätzliches To Do. Sondern frage dich regelmäßig am Tag: „Wie geht es mir eigentlich?“ Als Erinnerung daran, kannst du dir z.B. mehrmals am Tag einen Timer stellen oder aber eine bestimmte Tätigkeit wie „immer, wenn ich Händewasche“ auswählen. Dann spüre für ca. 1 Minute mal einfach in deinen Körper. Spüre was da los ist. Was fühlst du? Wie geht es dir? Was bräuchtest du jetzt? So integrierst du Selbstfürsorge in deinen Alltag ohne dafür einen großen Zeitslot im Kalender zu blocken.
4. Nutze deine Kinder als Lehrmeister.
Kinder leben viel mehr im Moment als wir Erwachsenen und wissen oft genau, was sie jetzt brauchen und was ihnen Spaß macht. Lass dich einfach mal darauf ein und plane bewusst Zeit mit deinen Kindern ohne Handy ohne weitere To Dos und macht etwas, das euch richtig Spaß macht. Und nein, die Waschmaschine ist jetzt nicht wichtiger!
Ein erster Schritt raus aus der Gedankenspirale
Jetzt denkst du dir vielleicht: Das ist ja alles schön und gut und die Impulse helfen sicherlich auch langfristig, aber was kann ich konkret jetzt tun, damit ich ab sofort weniger schimpfe und schreie und wie kann ich mich an solchen Tagen aus dem Funktionier-Modus wieder herausholen?
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